Gedankenwelt


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"Heroin" she said, "was the best I had...
No more mountains left to climb.
All the world so slow... all my dreams just too high
To be fulfilled in time...!"
(Wolfsheim, "Heroin, She Said")


Meine Oberschenkel werden nicht verheilen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Ich kratze sie immer wieder auf, bis das Blut flie?t.
Einfach, weil ich etwas haben will, das mich nicht in meine Traumwelt zur?ckzieht. Etwas reales.
Ich fl?chte zu oft in die Isolation.

Niemand hat mir je beigebracht, dass es wichtig ist, Emotionen herauszulassen. Dass man weinen soll, wenn es einem schlecht geht.
Ich kann weder vor mir, noch vor anderen Leuten weinen.
Stattdessen halte ich mich an meine Kreativit?t - ich bringe Gedanken zu Papier, schreibe Geschichten. Das ist zwar gut, um sich abzulenken, aber keine Therapie: Tr?nen und Trauer bleiben. Und ich werde sie nicht los.
Au?er, ich verletze mich.
Wenn ich mir die Rasierklinge durch den Oberschenkel ziehe, wenn ich mir in die Lippe bei?e, meine Fingern?gel in meiner Handfl?che versenke, dann wei? ich: Ich bin in der Realit?t.
Ich bin.
Ich h?nge nicht in meiner Traumwelt ohne Schmerz, Hass, Angst, Trauer, Lieblosigkeit, Gewalt, Oberfl?chlichkeit, Dem?tigung.
Ich befinde mich in der traurigen, grauen Realit?t, in der ich nur ich bin. Ein junges M?dchen mit Problemen und einem schweren Leben.
Mit SVV. Daf?r aber ohne Hilfe.
Was f?r eine Ironie.
31.1.04 13:46


Falling downwards, your face I see
Falling downwards, you can see me
In this madness I reach out for your hand
Two souls in union, spiralling to the ground
Child of Morpheus
Take me to your sweet euphoria
Child of Morpheus
Hold me in my dreams
Tranquil angel
Falling with no fear of landing
Child of Morpheus
Close my eyes for me
(Inkubus Sukkubus, "Sweet Morpheus")



Ich f?hl mich wie ?berfahren.
Hab heute Nacht drei oder vier Stunden geschlafen, mein Oberschenkel tut (nat?rlich) wieder weh und ich hab noch vier verdammte schultage vor mir.
Und vermutlich noch mindestens eine Arbeit. Hurra.
20.1.04 17:11


Heute ist wieder so ein verdammter Tag, an dem ich nur eins brauche: jemanden, der mich in den Arm nimmt, hin und her wiegt und tr?stet.
Aber ich habe momentan niemanden, der das tun k?nnte.
Vorhin bin ich ins Bad gegangen und das erste, was ich getan habe, war, mir eine Rasierklinge ?ber den Oberschenkel zu ziehen.
Nicht tief, aber trotzdem blutete es sofort.
Die Wunden von gestern Abend hab ich ebenfalls wieder ge?ffnet.
Ich wollte es nicht tun, aber nachdem ich es getan hatte, ging es mir besser- so surreal das auch klingen mag.

Ich wei? nicht, warum ich's tue.
Vielleicht, weil ich meinen K?rper und mich hasse, weil ich Probleme mit meiner Familie abbauen will, den Schulstress, meine Krankheit, alles m?gliche.


Ich hasse mich.
Ja, ich hasse mich wirklich.
19.1.04 20:35


Blutiger Bann

Wie durch dichte Nebelschwaden
zieh ich deinen Blick zu mir.
Wie im Traum seh ich die Farben
und ich wei?, du bleibst nicht hier.
Rot und rot, dazwischen wei?
und blau- ein bisschen gr?n vielleicht.
"Mehr rot, mehr rot!" aus meinem Mund,
mein Schreien, dazu deine Flucht.
Warmes rot, Unendlichkeit,
bin zum Abschied l?ngst bereit.
Warmes rot, auf meiner Hand,
deine R?ckkehr, bist im Bann.
Mehr rot, mehr rot, auf meiner Haut,
ich habe mich dir anvertraut.
Die Farben verschwinden, mit ihnen ich,
im allerletzten D?mmerlicht.
Was bleibt, sind Blut
und Erinnerung.
19.1.04 16:54


Hilla

Die Nacht hatte fast ihren dunkelsten Punkt erreicht, als Hilla aus dem Haus schlich. Wehm?tig dachte sie an das warme Bett, das sie nun zur?cklie?, und an ihre kleine Schwester Linne, die sich vorhin noch an sie gekuschelt hatte.
Es war Hilla, als sp?rte sie immernoch den Druck des kleinen K?rpers und die W?rme, die er ausstrahlte. Sie h?rte sogar noch Linnes leise, gleichm??ige Atemz?ge an ihrem Ohr.
Und sie f?hlte wieder den stechenden Schmerz in ihrem Bauch, f?hlte, wie sich alles verkrampfte und wie alles schmerzte, als w?rde ihr Innerstes nach au?en gekehrt. Ihre H?nde wanderten wie trostsuchend zu der Kette, die um ihren Hals hing, und sie sp?rte nun die hei?en Tr?nen, die unaufhaltsam ?ber ihr Gesicht rannen.
Blut rann an ihren Beinen hinab. Das M?dchen spielte fast mit dem Gedanken, sich einfach hinzulegen und nach der Mutter zu schreien, aber sie tat es nicht, sondern ging schwankend weiter. Der Schmerz flammte wieder auf. Diesmal war er so stark, dass sie zu Boden sank und schluchzend liegen blieb. Sie wollte schreien, aber sie konnte nicht. Sie konnte sich nicht einmal mehr r?hren, ohne dass sie der Schmerz durchfuhr. Deshalb blieb sie so liegen, wie sie hinabgesunken war.


Gut zwei Sommer vorher hatte die Familie das erste Mal Besuch von Onkel Johann gehabt, einem netten, jungen Mann. Er war mehrere Jahre j?nger als Hillas Vater Gunnar, und so kam es, dass die beiden Kinder wunderbar mit ihm zurecht kamen. Sogar Gudrun, die Mutter, mochte Johann und seine witzige, freundliche Art.
Tags?ber, w?hrend Linne und Hilla mit ihrer Mutter in der K?che standen, half Johann Gunnar und den Knechten auf den Feldern. Wenn es Essenszeit war, ging Gudrun dann meistens mit Hilla und Linne hinaus, um die M?nner mit Essen zu versorgen.
Dann sa? Gudrun bei den anderen Frauen und unterhielt sich mit ihnen, w?hrend Linne irgendwo bei ihr war, um zu spielen.
Hilla trieb sich meistens in Johanns N?he herum, denn er war der Einzige, der sein Essen nicht wie ein Tier hinunterschlang, sondern langsam und mit Genuss a?. Dabei fand er sogar noch Zeit, sich mit Hilla zu unterhalten, oder ihr Geschichten ?ber die Landstriche zu erz?hlen, durch die er gereist war.
Abends sa? Hilla oft noch lange mit Johann und ihren Eltern zusammen, wenn sie sich unterhielten. Und an vielen Abenden blieben sie und Johann sogar dann noch auf, wenn Gunnar und Gudrun l?ngst schliefen. Dann redeten sie wieder ?ber L?nder und Leute, ?ber Traditionen und Geschichten.
Als dann der erste Abschied kam, wurde Hilla traurig. Sie nahm Johann das Versprechen ab, im n?chsten Jahr wieder zu kommen.

Und das tat er auch. Hilla z?hlte nun schon vierzehn Sommer. Sie stand mit Gudrun in der K?che und kochte mit ihr, als die T?r aufflog und Johann ?ber die Schwelle st?rmte.
"Schw?gerin", rief er voller Freude und schloss die verdutzte Gudrun in die Arme. "Schw?gerin, ich freue mich, dich wiederzusehen."
Er wandte den Kopf und sein Blick fiel auf Hilla, wanderte von ihren langen, braunen Z?pfen ?ber ihren ganzen K?rper bis hinab zu ihren blo?en F??en. "Und da ist ja Hilla, mein Liebchen. Komm her zu mir, Lieblingsnichte!" Er strahlte sie an, zog sie in seine Arme und dr?ckte sie fest an sich.
Das M?dchen umarmte ihn und hastete dann zur Kochstelle zur?ck, um den Eintopf umzur?hren. Endlich war er wieder da. Das ganze Jahr ?ber hatte sie auf ihn gewartet, und nun war er da.
Aber er war anders geworden.
Er betrachtete ihren K?rper nun anders, und wenn er sie umarmte, f?hlte sie, wie seine H?nde an Stellen rutschten, an denen sie nichts zu suchen hatten. Aber sie beachtete dies nicht weiter- immerhin z?hlte er zu ihrer Familie und es war gut m?glich, dass seine H?nde wirklich verrutschten.
Irgendwie gelang es Johann, immer mehr Zeit mit Hilla zu verbringen.
Eines Abends, als Gunnar und Gudrun l?ngst im Bett waren, sagte Johann zu Hilla: "Ich will dir etwas zeigen. Ich habe dir etwas mitgebracht, aus der Stadt." Er packte sie an der Hand und zog sie mit sich zu seinem Zimmer. Dort angekommen griff er in den Lederbeutel, den er immer bei sich trug, und zog eine Kette heraus, an der ein kleines Medaillon aus Metall hing. "Hier, das ist f?r dich."
Johann setzte sich l?chelnd auf seine Bettkante, mit dem Medaillon in seiner Hand. Hilla ging zu ihm und setzte sich neben ihn, lie? sich das Amulett um den Hals h?ngen.
"Ich danke dir, Johann. Es ist wundersch?n. Ich w?sste nur nicht, womit ich es verdient habe." Misstrauisch sah Hilla zu ihrem Onkel empor. Ihre Mutter hatte sie oft ermahnt, einem Mann nicht zu sehr zu trauen. Doch Johann war ja ihr Onkel.
Sein L?cheln wurde leicht verschmitzt. "Du k?nntest mir einen Gefallen tun, junge Frau."
Hilla entspannte sich. Einen Gefallen tun. Etwas gutes tun. Sie nickte.
"Komm her zu mir, Hillakind", sagte Johann mit der sanftesten Stimme, die Hilla jemals geh?rt hatte. Ohne jeglichen Widerwillen rutschte sie zu ihm, lehnte sich an ihn und l?chelte.
Johanns Arme schlossen sich um sie, streichelten ihren K?rper, als h?tten sie nie etwas anderes getan.
Langsam schloss Hilla die Augen. Sie dachte nicht an das, was Gudrun ihr ?ber die M?nner beigebracht hatte, oder an das, wovor sie ihre Freundinnen gewarnt hatten. Sie lie? Johann tun, was er wollte.
Als sie die Augen aufschlug, lag sie auf dem Bett und seine H?nde schoben sich langsam und vorsichtig unter ihr Leinenkleid. "Keine Angst, Hillakind", t?nte seine Stimme wieder sanft zu ihr hinab, "es tut nicht weh. Und du machst mir eine wahnsinnige Freude."


Hilla konnte sich nun entg?ltig nicht mehr bewegen- ob mit oder ohne Schmerz. Sie war kraftlos und f?hlte sich leer, unendlich leer. Ihr d?nnes Leinennachthemd, das fast ganz mit ihrem Blut durchtr?nkt war, bot nicht den geringsten Schutz gegen die K?lte der Nacht. Aber sie war nicht einmal mehr f?hig, zu zittern.
Ihr fiel das Versprechen ein, das sie Johann gegeben hatte. Sie hatte eine Art Schweigegel?bde abgelegt. Hatte geschworen, sie w?rde ?ber das, was jeden Abend zwischen ihnen passierte, wenn die Eltern schliefen, niemals ein Wort verlieren. W?rde ihr Geheimnis mit ins Grab nehmen.
Aber ihre Mutter hatte es gemerkt. Gudrun war nicht blind, und als eine Frau, die selber mehrere Kinder zur Welt gebracht hatte, von denen bis auf zwei alle gestorben waren, wusste sie auch sofort, dass Hillas gro?er Bauch kaum vom mageren Essen herr?hren konnte.
Sie sprach nicht mit Gunnar, stellte daf?r allerdings Hilla zur Rede.
"Warum habe ich ihr blo? nicht gesagt, dass es Johann war?", fragte sich das M?dchen im Stillen, w?hrend es frierend, blutend und weinend auf dem Feld lag. In ihren Ohren konnte sie schon fast wieder den Dialog h?ren, den sie und Gudrun damals gef?hrt hatten. Es erschien ihr, als w?re es erst gestern gewesen, dass sie behauptet hatte, das Kind w?re von einem der M?nner, die das ganze Jahr hindurch ?ber Land zogen, deren Namen niemand kannte und die immer dort blieben, wo sie arbeiten konnten und bezahlt wurden.
Und nun lag sie hier, auf einem vom Nachtfrost harten Feld, in den Wehen und blutete. Niemand wusste, wo sie war. Sie konnte sich nicht r?hren. Sie konnte nicht einmal mehr den Mund ?ffnen, um zu Reden, geschweige denn zu Schreien. Das erst nur feuchte Nachthemd war nun mit kleinen Eiskristallen ?bers?t, ihre H?nde und F??en blaugefroren und fast taub.
"Johann ist an allem Schuld", dachte Hilla noch, bevor die K?lte und die Schmerzen sie endlich bewusstlos werden lie?en.
19.1.04 16:39





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